@ urulaia  / pixelio.de

@ urulaia / pixelio.de

Viele Kinder wissen nicht, wie es sich anfühlt, barfuß im Moos zu gehen. Sie kennen das Gefühl nicht, wenn ein Marienkäfer über ihren Arm krabbelt. Und der Geruch von Kuhstall steigt ihnen nie in die Nase.

Unbeaufsichtigt – alleine mit Freunden – frei

Studien machten bereits darauf aufmerksam, dass der Spielraum unserer Kinder immer mehr schrumpft. Unsere Kinder werden immer mehr zu „Indoor-Kids“ und „Matsch“ hat in ihrem Leben einfach keinen Platz mehr. Obwohl es so spannend sein kann, durch den Wald zu spazieren. Moos und Steine zu entdecken. Es wird eine eigene kleine Festung errichtet. Äste verwandeln sich zu scharfen Schwertern. Der Junge in der verbeulten Jeans wird zum edlen Ritter und das Mädchen, das sich so gerne in Rosa hüllt, erhält die Rolle der lieblichen Prinzessin. Geheimnisvolles Knistern macht sich im Unterholz bemerkbar, die Spannung steigt. Wagt der Feind den Angriff oder ist es gar ein wild gewordenes Tier?  Aber nein, es ist ein niedlicher Feldhase, der ist bestimmt von Ostern übergeblieben. Dieses Tier macht das Abenteuer um nichts weniger aufregend.

 

Kinder schätzen die Natur

Sie lieben es, sich frei zu bewegen und ihren Tatendrang nun endlich freien Lauf lassen zu können. Denken wir doch nur einmal an unsere Kindheit zurück, da war es selbstverständlich, dass wir alleine vor die Tür durften. Im Alleingang oder mit Freunden den Park oder den nächstgelegenen Wald unsicher gemacht haben. Wir haben die weite Welt noch auf eigene Faust entdeckt, ohne dass uns der strenge Zeigefinger eines Erwachsenen gezeigt wurde. Wir sind auf zahlreiche Bäume geklettert und lange Strecken barfuß über bunte Blumenwiesen gelaufen. Es wurden keine Befürchtungen ausgesprochen, welche Gefahren bei unseren Vorhaben lauern könnten.

 

Aber die Zeiten haben sich geändert

Nun heißt es: Gehe ja nicht alleine hinaus. Renn nicht so weit weg, sodass ich dich nicht mehr sehen kann. Pass auf, du könntest herunterfallen. Nicht die Schuhe anziehen, die Zecken lauern. Befürchtungen prasseln nur so rein auf die Kinder, macht dann das Spielen im Freien überhaupt noch Spaß?

 

Gibt es tatsächlich noch Kinder, die ohne Aufsicht draußen spielen?

Ja, solche Kids gibt es noch, doch die Zahl wird immer weniger. Der Aktionsraum von unserem Nachwuchs ist deutlich zurückgegangen. Die Anziehungskraft aktionsgeladener Videospiele und bunter Zeichentrickfilme ist riesig und für die Eltern ist es ein beruhigendes Gefühl, wenn die Kinder zu Hause sind. So kann ihnen nichts geschehen. Das ist auch der Hauptgrund, warum wir in unserer Kindheit mit der Natur mehr verbunden waren, als es die heranwachsende Generation von heute ist.  Die Befürchtungen und die Angst der Eltern ist es, die den Spielraum der Kinder verkleinern.

Zudem trägt die leistungsorientierte Gesellschaft einen wesentlichen Teil dazu bei, warum das Kinderzimmer namens Wiese nicht mehr so gern gesehen ist. Wer fleißig übt und lernt, wird später mit Gewissheit erfolgreich. Deshalb sollten die Kinder ihre Zeit lieber hinter Büchern und gezielten Computerprogrammen verbringen und nicht wie wild draußen herumtoben. Der Ast in der Hand, der doch so ein tolles Schwert ergibt, soll lieber gegen ein geeignetes Musikinstrument ausgetauscht werden.

 

Die Glückshormone unserer Kinder werden in der freien Natur gestreut

Denn unsere Kinder brauchen die Vielfalt. Sie wollen auf Bäume klettern, mit Ästen kleine Staudämme im Bach bauen, einmal ausgelassen und barfuß in der Wiese toben und den Schmetterling beobachten, wie er frei durch die Luft schwebt. Das alles kann das Kind nicht im Kinderzimmer oder zu Hause erleben, dafür muss es einfach raus vor die Tür.

Das Gehirn stellt bei jedem neuen Erlebnis eine Verbindung her und Glückshormone werden dabei frei. Denn zu Hause ist bereits alles bekannt, es gibt nichts mehr Neues zu entdecken. Ganz anders ist es in der Natur. Das Kind lernt Gefahren einzuschätzen. Damit reift es zur eigenständigen Persönlichkeit heran.

 

Bookmark/FavoritesShare